Wer in der Welt der Fotorucksäcke und des Everyday Carry (EDC) unterwegs ist, kennt den Namen WANDRD. Hoffe ich zumindest. Wenn nicht, dann ist dieser Artikel genau für dich.
Die Marke, die ursprünglich durch Kickstarter groß wurde, steht für robustes Design, wetterfeste Materialien und eine gewisse “Abenteuer-Ästhetik”.
Kurz nach Weihnachten startete WANDRD einen “Mystery Box”-Sale. Das Konzept: Man kauft eine Box basierend auf einer Preiskategorie oder Produktart, weiß aber bis zum Auspacken nicht, welches Modell oder welche Farbe man erhält.
Ist das ein genialer Weg, günstig an Premium-Equipment zu kommen, oder ein Lagerabverkauf von Ladenhütern? Ich habe den Test gemacht.
Das Ergebnis vorweg: In meinen Boxen steckte keine B-Ware und keine Retoure. Ich erhielt originalverpackte, makellose Neuware. Was genau drin war und wie sich die Produkte im Härtetest schlagen, liest du hier.
1. Das EDC-Multitalent: WANDRD D1 Fanny Pack
Das erste Produkt (Kategorie “Small Carry”) entpuppte sich als das D1 Fanny Pack in klassischem Schwarz. Auf den ersten Blick eine einfache Bauchtasche, auf den zweiten ein durchdachtes Organisations-Tool.
Design & Materialien
WANDRD verwendet hier – wie bei den großen Rucksäcken (PRVKE-Serie) – extrem widerstandsfähiges Ballistic Nylon mit einer wetterfesten Beschichtung.
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Haptik: Der Stoff fühlt sich steif und wertig an, nicht lappig wie bei günstigen Sportbeuteln.
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Hardware: Die Reißverschlüsse sind YKK-Weather-Resistant Zippers. Das bedeutet, sie schließen so dicht ab, dass Spritzwasser und Regen kaum eine Chance haben. Ein riesiger Pluspunkt für Festival-Gänger oder Street-Fotografen.
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Der Verschluss: Der Gurt nutzt einen magnetischen Fidlock-Verschluss. Dieser lässt sich fast magisch mit einer Hand öffnen und schließen – ein Feature, das man nicht mehr missen möchte, wenn man es einmal hatte.
Was passt rein? (Capacity Check)
Für eine “große” Kamera ist hier kein Platz, aber für das Tech-EDC ist sie perfekt.
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Hauptfach: Powerbank, In-Ear-Kopfhörer, Kabel, Sonnenbrille.
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Key-Clip: Ein roter Clip im Inneren sichert den Schlüsselbund.
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Secret Pocket: Auf der körperzugewandten Rückseite befindet sich ein flaches Fach für Reisepass, Bargeld oder ganz knapp das Smartphone. Da man die Tasche am Körper trägt, ist dies der perfekte Diebstahlschutz.
2. Der Schwerlast-Träger: WANDRD Rogue Sling 9L
Das Highlight der Lieferung war die Rogue Sling 9L . Mit 9 Litern Volumen bewegt sie sich an der Grenze zwischen großer Sling-Tasche und kleinem Messenger-Bag.
Das Raumwunder: Platz für Profi-Equipment?
Viele Slings versprechen viel, scheitern aber an professionellem Glas. Die Rogue 9L ist anders. Sie ist tief und kastenförmig geschnitten.
Mein Test-Setup (Leica SL-System): Ich habe die Tasche nicht geschont und folgendes Schwergewicht-Setup verstaut:
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Body: Leica SL2 (eine recht wuchtige spiegellose Vollformatkamera).
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Angesetzt: Sigma 35mm f/2 Art.
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Zusatz 1: Ein 24-70mm f/2.8 Standard-Zoom.
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Zusatz 2: Eine 50mm Festbrennweite.
Das Ergebnis: Alles passte hinein. Dank der herausnehmbaren Divider (Teiler) kann man den Innenraum so konfigurieren, dass die Objektive nicht aneinanderstoßen.
Features & Außenbereich
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Stativ-Halterung: An der Unterseite befindet sich eine ausklappbare Lasche. WANDRD bewirbt diese humorvoll als “Baguette-Halter”, aber im Ernstfall hält sie ein Reisestativ oder eine 1-Liter-Wasserflasche sicher fest. Oder für den Urlaub in Frankreich ein Baguette.
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Airmesh Back Panel: Die Rückseite ist gut gepolstert und belüftet, was bei dem Gewicht unseres Test-Setups (ca. 3-4 kg) auch dringend nötig ist.
3. Der Kontroverse “Laptop-Test”: MacBook Pro 14″ vs. Rogue 9L
Hier scheiden sich die Geister. WANDRD bewirbt die 9L Sling mit einem Laptop-Fach für Geräte bis zu 16 Zoll. Meiner Meinung nach ist das technisch möglich, aber praktisch fragwürdig. Weil für 16″ muss die Zusatztasche her, die dann oben raussteht.
Der Real-Check mit einem MacBook Pro 14″ (M3)
Ich habe versucht, das aktuelle 14-Zoll MacBook Pro mit M3 Prozzesor zu verstauen.
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Der erste Versuch: Scheitern. Es wirkte, als wäre die Öffnung zu schmal.
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Der Trick: Man muss den hinteren Reißverschluss komplett öffnen, die Tasche etwas “aufbiegen” und den Laptop in einem steilen Winkel einfädeln.
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Der Zeitaufwand: Anfangs “gefühlte 3 Minuten Rumgefriemel”. Mit Übung geht es schneller, aber “schneller Zugriff” sieht anders aus.
Die Warnung: Das “Wetter-Loch”
Ein gravierendes Design-Detail ist uns aufgefallen: Um Laptops verschiedener Größen aufzunehmen, ist das Laptop-Fach unten nicht komplett vernäht/geschlossen.
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Das Risiko: Stellt man die Tasche auf nassen Boden (nasses Gras, Pfütze), könnte Feuchtigkeit direkt an den Laptop gelangen.
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Fazit zum Laptop: Für ein iPad Pro 12.9″ ist das Fach perfekt. Für ein MacBook Pro 14″ ist es “gut” machbar – mit etwas Übung. Ein 16-Zoll-Gerät würden wir dieser Konstruktion und dem Tragekomfort zuliebe nicht empfehlen.
Fazit & Kaufberatung
Hat sich die WANDRD Mystery Box gelohnt? Finanziell definitiv. Man erhält Equipment im Wert von mehreren Hundert Euro für einen Bruchteil des Preises.
Das Setup ist ideal für dich, wenn:
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Du Fotograf bist und eine Tasche suchst, die nicht wie eine typische Kameratasche aussieht.
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Du viel Equipment (Body + 2-3 Linsen) transportieren willst, aber keinen Rucksack tragen möchtest.
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Du beim Packen des Laptops Geduld hast.
Es ist nichts für dich, wenn:
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Du primär eine Laptoptasche suchst (hier gibt es bessere Messenger-Bags).
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Du eine extrem leichte Tasche suchst (die Rogue Sling ist leer schon relativ schwer, da sehr robust gebaut).
Jetzt das große ABER: Du weißt nicht was du bekommst, es kann durchaus sein, dass du eine 3L oder 6L Sling bekommst, trotzdem ist diese immer noch günstiger als ein direkter kauf.
FAQ: Häufige Fragen zur WANDRD Rogue Sling 9L
Ist die WANDRD Rogue Sling wasserdicht? Das Material (Tarpaulin/Ballistic Nylon) ist wasserdicht, und die Reißverschlüsse sind stark wasserabweisend. Die Tasche übersteht einen Regenschauer problemlos. Aber Achtung: Sie ist nicht tauchfähig!
Passt ein MacBook Pro 16 Zoll in die WANDRD 9L Sling? Theoretisch ja, WANDRD gibt dies an. In der Praxis ist es extrem eng. Ich empfehle die Tasche eher bis maximal 14 Zoll, um die Reißverschlüsse nicht zu überlasten und die Handhabung angenehm zu halten.










