Leica Summicron-M vs. Summicron-R vs. Sigma 50/2 DG DN C
Einleitung:
Das 50mm ist vermutlich die beliebteste Brennweite in der Fotografie. Für mich unverständlich sehen viele Fotografen sie heute als langweilig an. Doch das wird dem „nifty-fifty“ nicht gerecht. 50mm ist ist ein optischer Sweetspot, es liegt nah an dem was wir Menschen als eine natürliche zentrale fokussierte Sicht bezeichnen würden, was an einem Bildwinkel von knapp 46 Grad liegt. Dazu kommt als Normalbrennweite ist es fast Verzeichnungsfrei. Und: 50mm Objektive lassen sich in hoher Qualität, hoher Blende und kleinem Formfaktor bauen.
Und auch nicht wenige Fotografinnen und Fotografen schwören auf die 50mm. Henri Cartier-Bresson, Mitbegründer von Magnum hat beinahe sein gesamtes Lebenswerk mit 50mm fotografiert. Elliot Erwitts Alltagssituationen – 50mm und Helen Levitt als Pionierin der Street Photography in New York: 50mm.
Es gibt also gute Gründe 50mm als Objektiv zu lieben. Drei dieser kleinen kompakten Objektive möchte ich euch heute vorstellen.
Leica Summicron-R 50mm F2 – Gen. II
Beginnen möchte ich mit einem 50mm Objektiv, welches ich in der analogen Fotografie lieben gelernt habe – auch wenn mein Exemplar durch lens-seperation – einen kleinen Bildfehler hat, dem Gen. II Leica Summicron-R 50mm. Leica, bekannt für Messsucherkameras hat nicht nur diese gebaut – sondern auch bis in die Zweitausender Spiegelreflexkameras. Meine R6.2 über die ich hier schon schrieb ist ein Beispiel dafür. Im Zuge dieser Serie produzierte man zwei Summicrone. Die Gen I, die bis 1976 gebaut wurde und dann nach und nach von der Gen II abgelöst wurde. Mit der neuen Generation veränderte sich zu erst der optische Aufbau. von 6 Linsen in 5 Gruppen zu 6 Linsen in 4 Gruppen. Dies erhöhte nicht nur den Kontrast, sondern ebenso die Schärfe und die Bildfeldwölbung. Das Objektiv hat einen Blendenbereich von F2 zu F16 in halben Stufen, eine Naheinstellgrenze von 50cm (was beim Messsucher lange Zeit nicht möglich war und heute meist Digital gelöst ist) und das ganze auf ca. 290g.
Während das Summicron-R der ersten Generation am ehesten mit dem Summicron-M der 3 Generation vergleichbar war, ist die zweite Generation mit der Generation 4 und 5 des Summicron-M vergleichbar. Der Optische Aufbau ist nahezu identisch und selbgies trifft auch auf Schärfe, Kontrast und Microkontrast zu. Und: Das Summicron-R 50/2 II brachte die ausziehbare Sonnenblende bereits Jahre vor dem Summicron-M mit.

Fotografie mit Summicron-R 50/2 auf Film
Negativ anzulasten ist dem Summicron-R lediglich seine „bulligere“ Bauart, die dem SLR-System geschuldet ist und sein höheres Gewicht im Vergleich zur M-Serie. Dazu kommt, mit Blick auf moderne Spiegellose Systemkameras wie die Leica SL2 oder die Panasonic S5 IIx der rechte hohe Adapter, der benötigt wird für die Adaption. Dieser ist 2/3 vom Summicron – zusätzlich. An der Bildqualität ändert dies jedoch nichts. Auch Fotos mit dem Summicron-R funktionieren auf modernen Sensoren einwandfrei, wobei die 47MP der SL2 die optische Obergrenze der Abbildungsleistung darstellen. Speziell an den Rändern kommt das Objektiv hier an seine Grenzen.
Leica Summicron-M 50mm F2 – Gen. V
Das Summicron-M der fünften Generation bildet das Ende des non-APO Summicrone aus Wetzlar. Sein Nachfolger ist das APO-Summicron-M, das eine neue Bauserie und Philosophie verfolgt. Zum einen haben wir nun 8 Linsen in 5 Gruppen, statt wie bisher 6 Linsen in 4 Gruppen. Zum anderen gibt es erstmal ashpährische Elemente in einem Summicron und ein Floating-Element, welches den Nahbereich verbessert. Letzteres kann man nachvollziehen. Warum ein Summicron-M ein ASPH braucht, erschließt sich mir selbst noch nicht. Das ist aber Geschmackssache. Ob es ein einer Apochromatischen Korrektur bedarf ist bei 50mm ebenso fraglich, es ist natürlich das maximum – aber Lila-Farbsäume, bei hohen Kontrasten (Ästen im klaren Himmel)… nungut. Was man jedoch lassen muss, die Auflösung selbst feinster Details schafft das APO auch bei hohen Sensorauflösungen.
Zurück zum Summicron-M Generation 5. Ich finde, das Summicron-M Gen V ist der heilige Gral der 50mm Objektive. Es ist klein, es ist speziell in der optischen Mitte extrem scharf und es hat Character. Dazu lässt es sich deutlich kompakter an moderne Kamerasysteme wie die Leica SL2 adaptieren und kommt Problemlos mit den 47MP an Auflösung klar. Trotzdem: Es kann an eine 61MP M11 gepackt werden, ob man das sollte steht auf einem anderen Blatt. Es wird dort an sein absolutes Maximum gebracht. Ich denke bei 47mp oder bei 44MP wie bei der neuen SL3-P erreichte das Objektiv seine höchstleistung. Auf 24MP muss man sich keine Gedanken machen.

Summicron-M 50/2 Streetaufnahme in Köln an Leica SL2

Farbaufnahme, Abenddämmerung in Köln mit dem Summicron-M an der Leica SL2
Was deutlich auffällt, das Summicron kommt ohne Probleme mit selbst feinen Details in der Entfernung klar. Im zweiten Bild kann man gut die Pflanzen erkennen (im Original mit voller Auflösung jedes einzelne Blatt). Es rendert die Farben sehr angenehm und warm und auch die unterschiedlichen Kontrastsituationen meistern Kamera und Objektiv. Was möchte man also mehr, von einem Objektiv das man bequem in einer Jackentasche verschwinden lassen kann?
Das Sigma 50/2 DG DN C
Das Sigma ist ein Arbeitstier. Ich habe ihm bereits einen ausführlicheren Artikel gewidmet und nach wie vor bin ich der Meinung – dieses Objektiv mit seiner modernen Bauart ist das was einem Summicron-M im Autofokusbereich am nächsten kommt. Optisch wie auch in der DNA des Gehäuses. Anders als Panasonic und Leica selbst, wählte Sigma einen echten Blendenring (Halleluja!) auch wenn wir hier über Focus by Wire sprechen, was ich bedauere. Dennoch ist das Sigma das was ein klassisches Reportage-Objektiv mitbringen muss. Es ist klein, kompakt, scharf, schnell. Es ist dann da – wenn man es braucht. Aber: Es ist auch etwas bulliger. Es ist nicht so präzise – wie ein manuell fokussiertes Summicron-M (ja Autofokus – ich weiß). Es liefert EXIF-Daten, es ist abgedichtet (zumidest ein bisschen), es ist von Ecke zu Ecke scharf und hat absolut klinisches Bokeh. 45cm Naheinstellgrenze sind auch nicht von der Hand zu weisen. Es verfügt über drei ASPH-Linsen und ein SLD Element. 11 Linsen in 9 Gruppen. Das ist viel Glas.
Und hier liegt auch die Schwäche. Jedes mal, wenn Licht durch ein Glas fällt geht trotz bester Vergütung ein bisschen was verloren. Und das lässt das Sigma manchmal steriler wirken, Tonwertabstuftungen sind zwar sehr gut – aber manchmal hat man das Gefühl – da fehlt was. Es wirkt flacher.

Sigma 50/2 DG DN C – hier in schnellen Momenten glänzt das Sigma
Auch wenn jedes MFT-Chart mit im Schärfe-Bereich widerspricht – ja das Sigma ist an den Rändern schärfer. Der gefühlte Look eines Summicrons erzeugt einen 3D Pop – den schafft das Sigma leider nicht.
Optischer Vergleich: Für alle die es genau sehen wollen
Für alle die es genauer sehen möchten, habe ich hier einmal Testbilder hinterlegt – bei Blende 2, 2.8 und 4 (danach wirds uninteressant).
Im Ordner befindet sich zudem eine Textdatei (who is who.rtf) in der ihr sehen könnt, welche Bilder-Paare zu welchen Bildern gehören. Hier der Link.
Hier nur mal die Blende-Zwei-Bilder zum direkten Vergleich bei Offenblende:

Summicron-R II

Summicron-M 50 v5

Sigma 50/2 DG DN C

